Nur teure Pillen? Was Nahrungsergänzungsmittel wirklich können

Nahrungsergänzungsmittel bringen nicht viel. Diesem weit verbreiteten Glauben begegnet Dr. med univ. Andreas Schwarzl regelmäßig in seiner Praxis und widerspricht entschieden.

In der aktuellen Podcast-Folge von „Gesund werden, gesund bleiben“ erklärt der erfahrene Arzt, warum der gezielte Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln sehr wohl eine Wirkung hat und wie man diese sinnvoll verwendet.

Warum sind Nahrungsergänzungsmittel in aller Munde?

„Marketing spielt eine große Rolle“, sagt Dr. Schwarzl. Viele Präparate werden aggressiv beworben, oft ohne echten Nutzen. Dennoch gibt es gute Gründe für Nahrungsergänzungsmittel, gerade wenn sie gezielt und individuell abgestimmt werden. Besonders bei Vitaminen und Mineralstoffen wie Vitamin D, B12, Zink, Selen oder Mangan zeigt die Praxis: Ein Mangel ist weit verbreitet.

Die richtige Qualität entscheidet

Doch nicht jedes Produkt aus dem Online-Shop ist sinnvoll. „Oft stimmen die Konzentrationen der Inhaltsstoffe nicht mit der Angabe auf dem Etikett überein“, warnt Schwarzl. Qualitätskontrollen, Herstellungsverfahren und die Wahl der Wirkstoff-Form spielen eine große Rolle. Deshalb empfiehlt der Arzt, sich auf etablierte Hersteller zu verlassen und im Zweifel immer zu messen.

Was braucht der Körper wirklich?

Die Antwort lautet: Es kommt darauf an. Alter, Geschlecht, Ernährung, Lebensstil – all das beeinflusst den Bedarf. Schwarzl betont: „Wir analysieren immer individuell, ob jemand Sportler, Vegetarier oder Manager mit 70-Stunden-Woche ist.“ Erst durch Labortests und Anamnese zeigt sich, welche Mineralstoffe, essentiellen Fettsäuren und Vitamine wirklich fehlen.

Messen statt Raten

Viele verlassen sich auf das „große Blutbild“ beim Hausarzt. Doch Schwarzl klärt auf: „Wichtige Werte wie Zink oder Eisen lassen sich besser aus dem Vollblut bestimmen.“ Moderne Diagnostik erlaubt es heute, auch Spurenelemente wie Molybdän oder Jod exakt zu analysieren. Dies war früher kaum möglich.

Supplements für Frauen, Männer, Sportler und mehr

Es gibt Supplements für Männer und Frauen, Supplements für Sportler und Veganer und viele mehr. Doch welche sind die Richtigen?

Frauen haben häufig Eisenmangel, Männer eher eine Eisenüberladung. Sportler müssen unter Umständen mit Magnesium oder Aminosäuren supplementieren. Menschen mit chronischer Müdigkeit profitieren laut Schwarzl oft von gezieltem Einsatz von Supplements gegen Müdigkeit mit Vitamin B, Folsäure oder Q10. „Das wirkt manchmal besser als jeder Kaffee.“

Wie viel ist genug?

Vermeiden Sie eine Überdosierung von Nahrungsergänzungsmitteln
„Viel hilft nicht viel“, warnt Schwarzl. „Wer 25 Supplements am Morgen schluckt, hat nichts gewonnen.“ Besser sei es, gezielt drei bis vier Mittel zu wählen, die individuell Sinn machen. Bei manchen reicht eine Einnahme zweimal im Jahr, andere sollten über mehrere Wochen hinweg genommen werden. Auch Supplement-Kuren können sinnvoll sein, zum Beispiel zur Immunstärkung, bei Schwangerschaft oder bei Kinderwunsch.

Eine ausgewogene Ernährung allein reicht oft nicht

Viele fragen sich, ob man den Nährstoffbedarf nicht über gesunde Ernährung abdecken kann „In der Theorie ja, in der Praxis selten“, so Schwarzl. Ein Grund: Die Böden enthalten weniger Nährstoffe, Lebensmittel sind verarbeitet, Stress und Umweltgifte tun ihr Übriges. Das jemand trotzdem Topwerte erreicht, ist eher die Ausnahme.

Von der Messung zur Routine

„Wenn Patienten sehen, dass sich ihre Werte verbessern, entsteht Motivation“, erklärt Schwarzl. Eine regelmäßige Laborkontrolle – etwa alle drei bis sechs Monate – zeigt, ob die Supplementierung anschlägt. Danach kann oft die Dosierung angepasst oder reduziert werden.

Nahrungsergänzungsmittel mit Wirkung

Ob Calcium für die Knochen, Q10 zur Regeneration, Arginin zur Blutdrucksenkung oder Zink für das Immunsystem: gezielte Nahrungsergänzung kann deutlich spürbare Effekte haben. Wichtig ist: „Wer viel Geld für Supplements ausgibt, sollte vorher wissen, ob er sie überhaupt braucht.“

Mehr wissen, besser entscheiden

Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für gesunde Ernährung, aber sie können eine sinnvolle Unterstützung sein. Wer gezielt supplementiert, spart nicht nur Geld, sondern schützt auch seine Gesundheit.

Im Podcast „Gesund werden, gesund bleiben“ spricht Dr. med univ. Andreas Schwarzl offen über Mythen, Messwerte und echte Wirkung: praxisnah, fundiert und verständlich!

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FAQ: Das werden wir oft zu Nahrungsergänzungsmitteln gefragt

Sind Nahrungsergänzungsmittel sicher?

Nahrungsergänzungsmittel sind grundsätzlich sicher, da sie beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) angezeigt werden müssen. Eine Zulassungspflicht besteht jedoch nicht, weshalb Verbraucher auf Qualität und Dosierung achten sollten, um gesundheitliche Risiken zu vermeiden. Zudem sollten Sie sich ärztlichen Rat einholen.

Können Nahrungsergänzungsmittel schädlich sein oder Wechselwirkungen verursachen?

Nahrungsergänzungsmittel können dann schädlich sein, wenn Wechselwirkungen mit Arzneimitteln auftreten. Unterstützende Konzentrate sollten deshalb nicht unkontrolliert eingenommen werden. Hohe Dosen von konzentriertem Vitamin C beispielsweise können bestimmte Medikamente beeinträchtigen. Deshalb ist es empfohlen, vor der Einnahme immer ärztlichen Rat einzuholen.

Wie finde ich die empfohlene Zufuhr an Vitamin C?

Laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung (DGE) richtet sich die empfohlene Tageszufuhr an Vitamin C nach individuellen Faktoren wie Alter, Geschlecht und Lebensumstände. Die Empfehlung: Erwachsene Frauen sollten täglich 95 mg, Männer 110 mg aufnehmen. Schwangere und Stillende benötigen mehr. Auch Raucher haben einen deutlich erhöhten Bedarf (bis zu 155 mg pro Tag).

Was ist die empfohlene Menge an Vitamin B12?

Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt eine tägliche Höchstmenge von 25 µg Vitamin B12 in Nahrungsergänzungsmitteln als sicher. Die empfohlene Zufuhr für Vitamin B12- Kapseln liegt bei 4 µg pro Tag. Eine Person, die sich vegan ernährt, sollte ihre Versorgung ärztlich kontrollieren lassen und bei Bedarf über Supplemente sichern.