Hormonersatztherapie: Schlüssel zu mehr Lebensqualität in den Wechseljahren?

Ein Thema, das alle betrifft, nicht nur Frauen.

Hormonersatztherapie, kurz HET oder HRT (hormone replacement therapy), ist ein Thema, das oft unterschätzt und selten aktiv angegangen wird, aber von immenser Bedeutung ist. Im Podcast „Gesund werden, gesund bleiben“ spricht Host Timon Hartung mit dem erfahrenen Arzt Dott. Thomas Michael Platzer über bioidentische Hormone, Wechseljahre, Andropause und Testosterontherapie – und warum die hormonelle Umstellung mehr als ein „natürlicher Prozess“ ist.

Was passiert im Körper in den Wechseljahren?

Die Wechseljahre, medizinisch korrekt als Perimenopause und Menopause bezeichnet, markieren das Ende der natürlichen Fruchtbarkeit bei Frauen. Damit eingehend ist der deutliche Rückgang der Hormonproduktion, vor allem von Östrogen und Progesteron. Als Folge kommt es oft zu einer Vielzahl an Wechseljahresbeschwerden:

  • Hitzewallungen 
  • Stimmungsschwankungen
  • Libidoverlust
  • Gelenkschmerzen
  • Schlafstörungen
  • Trockene Scheidenschleimhaut
  • Wiederkehrende Blasenentzündungen

„Der Körper ist klug, aber nicht auf 85 Jahre Leben vorbereitet.“

Dott. Platzer erinnert im Podcast daran, dass Frauen früher oft nur wenige Jahre nach der Menopause lebten. Heute sind es Jahrzehnte. Die hormonelle Versorgung des Körpers ist auf diese lange Lebenszeit biologisch nicht ausgelegt. Genau hier setzt die Hormonersatztherapie an.

Hormonersatztherapie: Was ist das eigentlich?

Eine Hormontherapie in den Wechseljahren ergänzt gezielt jene Östrogene und andere Hormone, die im Körper fehlen und zwar bio- oder naturidentisch. Dott. Platzer betont: „Bioidentisch heißt: exakt das, was der Körper kennt – nicht etwas Ähnliches.“ Die Hormone sind chemisch genauso wie die körpereigenen aufgebaut.

Dabei kommen unterschiedliche Darreichungsformen in unterschiedlicher Dosis zum Einsatz, z. B. als

  • Hormon-Gel oder Hormon-Creme
  • Einnahme von Kapseln
  • Hormonpflaster

Tipp: Erfolgt die Anwendung transdermal, also zum Beispiel durch ein Gel, werden die Wirkstoffe über die Haut verabreicht. Von dort aus werden sie in den Blutkreislauf aufgenommen. Ein Vorteil dieser Darreichungsform ist, dass dabei der Leberstoffwechsel umgangen und eine fein dosierbare, schonende Therapie ermöglicht wird.

Testosteron & Progesteron, auch für Frauen wichtig

Testosteron ist längst nicht nur ein „Männerhormon“. Es spielt auch bei Frauen eine entscheidende Rolle, beispielsweise für die Muskelkraft, Libido und kognitive Leistung.

Das Gestagen Progesteron hingegen ist vielen Menschen in Bezug auf eine Schwangerschaft bekannt: Es „ist das Hormon, das die Frau in der Schwangerschaft so strahlen lässt“, erklärt Dott. Platzer. Es wirkt schlafanstoßend, hautverbessernd und stimmungsstabilisierend. 

Hormonmangel erkennen und rechtzeitig handeln

Auch wenn es häufig zu einem Mangel bei Frauen in den Wechseljahren kommt, können auch früher Beschwerden auftreten. Schon vorher kann der Hormonhaushalt durch Stress, Schilddrüsenprobleme oder extrem niedrigen Körperfettanteil aus der Balance geraten.

Dott. Platzer empfiehlt daher eine

  • Früherkennung über Labordiagnostik
  • individuelle Einstellung der naturidentischen Hormonpräparate
  • Begleitende Betrachtung des Mikronährstoffhaushaltes, z. B. von Vitamin D, Omega-3 oder Selen

Die richtige Dosierung ist entscheidend für den Therapieerfolg. Jede Patientin und jeder Patient benötigt eine individuell angepasste Behandlung, um optimale Ergebnisse zu erzielen.

Und die Männer? Willkommen in der Andropause

Auch Männer durchlaufen eine hormonelle Umstellung. Diese verläuft oft schleichend, aber ist meist ab etwa 30 Jahren deutlich spürbar. Während Frauen hauptsächlich an Östrogenen abnehmen, sinken bei Männern die Testosteronwerte. Die sogenannte Andropause ist durch sinkende Testosteronspiegel, Muskelschwund, Antriebslosigkeit und sogar depressive Verstimmungen geprägt. „Die sanfte Verweiblichung beginnt mit dem Bauchfett“, so Dott. Platzer. 

Durch eine Testosterontherapie können Männer nicht nur ihre Libido und Muskelkraft verbessern, sondern auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Demenz senken.

Risiken der Hormonersatztherapie:
Sind die Vorurteile berechtigt oder veraltet?

Ein oft genanntes Argument gegen die Therapie mit HRT ist das vermeintliche Krebsrisiko, insbesondere das Brustkrebsrisiko. 

Dott. Platzer widerspricht dem: „Die Angst ist groß, aber unbegründet“. Die oft zitierte WHI-Studie von 2002 sei methodisch fehlerhaft gewesen. Heutige Therapien erfolgen mit modernen, bioidentischen und fein dosierbaren Präparaten und unter ärztlicher Kontrolle.

Zu Kontraindikationen kann es jedoch z. B. bei

  • Stark erhöhtem Thromboserisiko
  • Bestimmten genetischen Vorbelastungen oder
  • Ungünstigen Leberverstoffwechselung kommen.

Aber diese Fälle sind die Ausnahme. „Ich hätte mehr Angst ohne Hormone, als mit“, so Dott. Platzer.

Eine begleitete Therapie kann auch vor weiteren Erkrankungen schützen. So reduziert sie das Risiko für Osteoporose und kann sich positiv auf Diabetes auswirken. Wichtig ist jedoch, dass bestimmte Risiken wie ein Endometriumkarzinom bei jeder Erkrankung individuell abgewogen werden.

Hormontherapie: Individuell und gut begleitet
Lebensqualität zurückholen

HET ist kein Lifestyle-Produkt, sondern kann bei richtiger Indikation die Lebensqualität für Frauen und Männer massiv verbessern. „Wenn Arzt und Patient ein Team werden, entsteht eine Win-Win-Situation“, versichert Dott. Platzer.

Wichtig: Nicht jeder Gynäkologe oder Hausarzt ist Experte in hormoneller Endokrinologie. Dott. Platzer empfiehlt deshalb, sich bewusst an spezialisierte Fachärzte zu wenden, die kritisch sind, aber offen.

Mehr im Podcast erfahren

Hören Sie sich die komplette Folge mit Dott. Thomas Michael Platzer im Podcast „Gesund werden, gesund bleiben“ an. 

Überall da, wo es Podcasts gibt:

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FAQ rund um die Hormonersatztherapie 

Macht Hormonersatztherapie dick?

Nein, Hormonersatztherapie führt nicht automatisch zu einer Gewichtszunahme. Tatsächlich kann das Gegenteil der Fall sein: Ein Hormonmangel kann eine Gewichtszunahme fördern, da er den Stoffwechsel verlangsamt und die Körperzusammensetzung ungünstig beeinflusst. Eine ausgewogene Hormontherapie kann daher sogar beim Gewichtsmanagement unterstützen.

Hilft HET gegen Demenz?

Ja, Studien zeigen präventive Effekte der Hormonersatztherapie gegen Demenz sowohl bei Frauen als auch bei Männern. Eine rechtzeitig begonnene und angemessen dosierte Hormontherapie kann das Risiko für kognitive Beeinträchtigungen reduzieren und zur langfristigen Gehirngesundheit beitragen. Bitte erfragen Sie bei Ihrem Arzt weitere Informationen.

Wie lange darf man Hormone nehmen?

Es gibt keine feste zeitliche Begrenzung für die Hormonersatztherapie. Solange Ihr Arzt die Hormonbehandlung als sinnvoll einstuft und sie gut eingestellt wird, kann eine Therapie langfristig fortgeführt werden. Entscheidend sind regelmäßige ärztliche Kontrollen und eine individuelle Nutzen-Risiko-Bewertung für jeden Patienten.

Was kostet HET?

Die Kosten variieren je nach Therapieform und müssen meist selbst getragen werden. Eine genaue Aufstellung erstellt ihr betreuender Arzt. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen in der Regel keine Kosten für die Hormonersatztherapie. Private Versicherungen zahlen manchmal anteilig, jedoch ist dafür eine individuelle ärztliche Begründung erforderlich.